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Tunesien
11. März 2009 - 25. März 2009
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Aktualisiert am: 26.12.16
Neunter Tag
Sahline - M'Saken - Kairouan - Rakada - Bou Hajla - Nasr Allah - Sidi Saad - Barrage de Sidi Saad -
El Haouareb - Kairouan - M'Saken - Sahline

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Freitag, 20. März 2009
(Alle 132 Fotos des Tages im Fotoalbum als "Collage")

Heute wollte mir Nina eine der kargeren tunesischen Landschaften zeigen - die Gegend bei Blattkäfer Chrysolina cf. bicolorder Barrage Sidi Saad (ein großer Stausee). So brachen wir dann gegen 10 Uhr auf und fuhren über M'Saken zur P 12 nach Kairouan. Dabei kamen wirWohl Cistus albidus, die "Weißliche Zistrose" wieder an dem schon am ersten Tag besuchten Brachgelände vorbei und beschlossen nachzuschauen, ob es denn dort nicht was Neues zu sehen gab. Und ja, es gab etwas: Insekten. Beispielsweise einen sehr hübschen, etwa 10mm großen Blattkäfer (Chrysolina bicolor). Außerdem fand sich dort die erste blühende Zistrose, bei der es sich wohl um Cistus albidus, die "Weißliche Zistrose" handelte.

Bei Kairouan bogen wir dann links auf die P 2 Richtung Süden ab, fuhren am Museum Rakada vorbei und verpassten (weil nicht ausgeschildert) die Abzweigung nach Nasr Allah. MachteFoto: N. Dorfmüller nichts, einige Kilometer weiter erreichten wir Bou Hajla, von dort ging es über die J. Cherahil bei Nasr AllahC 98 direkt nach Nasr Allah.
Dieser Umweg entpuppte sich als wahrer Glücksfall, denn sonst hätten wir die atemberaubende, karge Landschaft der Hügelkette J. Cherahil nicht bewundern können, da die ursprünglich geplante Route nicht durch sie hindurch führte. Wir machten an einem besonders schönen Hügel halt und marschierten los.

Video von dort (640x480 Pixel - 2,02Min.):
wmv (31,1MB) oder flv (7,5MB)

ThymianWas es hier alles zu bestaunen gab! Unzählige kleine Thymianbüsche, die alles in einen würzigen Duft tauchten, dornige, halbhohe Büsche einesAnthyllis spec. unbekannten Schmetterlingsblütlers, blaue Tupfer aus unbekannten Kugelblumen- und Lavendelarten, leuchtend purpurfarbene Anthyllis spec. und vereinzelte Kleckse Gelb von Blüten einer Fumana-Art (Fumana thymifolia - Thymianblättriges Nadelröschen?) sowie lilablaue einer Scilla-Art (Scilla peruviana / Peruanischer Blaustern? Dieser soll jedoch an eher feuchten Standorten vorkommen und hier war es ja knochentrocken) und auch Weiß fehlte nicht, dafür sorgten die großen Trichterblüten einer flach wachsenden, mir Scilla peruviana / Peruanischer Blaustern?unbekannten Windenart. Und all das im starken Kontrast zum hellgraubraunen Boden. Ich konnte mich kaum satt sehen an Psammodromus blanci / Sandläuferdieser gelungenen Komposition. Zwischen all den Pflanzen wuselten einige große Schwarzkäfer umher, es handelte sich um zwei Arten: Adesmia dilatata und Pimelia spec.. Auch einen interessanten Schweber der Gattung Dischistus konnte ich fotografieren. Ninas waches Auge entdeckte dann auch noch einen kleinen Sandläufer, eine Echse (Psammodromus blanci).

Straße nach Sidi SaadNach etwa einer dreiviertel Stunde mussten wir uns schweren Herzens von dieser herrlichen "Fundgrube" trennen. Es war schon 13:15 Uhr und wir hatten das eigentliche Ziel noch nicht erreicht. Über eine schmale, aber asphaltierte Nebenstraße gelangten wir nach Sidi Saad, dem winzigen, verschlafenem Ort, der dem Stausee seinen Namen gab, durchquerten ihn und nach wenigenFußmarsch zum Ufer der Barrage Sidi Saad hundert Metern verwandelte sich die Straße in eine holprige Erdpiste. Nina manövrierte uns zielsicher um all die riesigen Schlaglöcher herum, doch irgendwann waren die Löcher einfach zu groß für unseren Leihwagen, einen Renault Clio. So stellten wir in kurzer Hand neben der Piste ab und machten uns zu Fuß auf den Weg zum Ufer der Barrage Sidi Saad - durch Ein einsamer, kleiner Mohneine ebenfalls mehr als sehenswerte Landschaft. Die Vegetation war eher spärlich und von dürren Sträuchern dominiert, kein Vergleich mit den farbig betupften Hügeln zuvor. Vereinzelt trafen wir auch hier den vermeintlichen Peruanischen Blaustern an, sowieFußmarsch zum Ufer der Barrage Sidi Saad rosablühende, kleine Zistrosen und einen einzelnen, winzigen, blühenden Mohn. An manchen Stellen überraschten uns große Ansammlungen eiligst herumkrabbelnder und -fliegender brauner Scarabaeidaen, die partout nicht für ein paar gute Fotos inne halten wollten. Bis heute frage ich mich, von was (welchen Pflanzen) sie und ihre Larven sich wohl ernähren, denn ihre Anzahl stand in keinem Vergleich zur dortigen Vegetation.

Video von unterwegs: (44sec.): wmv (11,3MB) oder flv (2,9MB)

Am Ufer der Barrage Sidi SaadNach etwa fünfzig Minuten gemütlichen Wanderns durch eine vor allem durch absolute Stille geprägten Landschaft erreichten wir schließlich das Ufer des Stausees, der Barrage Sidi Saad. Auch hier fiel mir wieder auf, wie knapp das Wasser in Tunesien zu werden scheint. Wie auch Tage zuvor die Sebkhet de Sidi El Hani und viele andere "Seen" und Wasserläufe, war auch hier ein extrem niedriger Wasserstand zu beobachten, der Stausee also um ein Vielfaches Frühe Heidelibelle (Sympetrum fonscolombii)kleiner als in unseren Karten. Wir hielten uns etwa eine halbe Stunde im Uferbereich auf und suchten nach Pflanzen und Insekten. Viel gab es nicht zu finden, einzig eine Frühe Heidelibelle (Sympetrum fonscolombii) erregte unsere Gemüter. Diese mediterrane Art ist mittlerweile auch manchmal aber nur vereinzelt im Süden Deutschlands anzutreffen.

Blaugrünen Tabak (Nicotiana glauca)Wir gingen dann nicht den exakt gleichen Weg zurück zum Auto, deshalb fanden wir auch noch eine interessante Pflanze: den Blaugrünen Tabak (Nicotiana glauca). Diese, für die Tabakindustrie völlig uninteressante Art (enthält kaum Nikotin), stammt ursprünglich aus Südamerika, ist aber seit Jahrzehnten in weiten Teilen des Mittelmeerraumes fester Bestandteil der Flora.

Dann fuhren wir weiter, wir wollten noch zur Staumauer dieser Barrage, die etwa 10km weiterUnbekannte Bienenart nördlich liegt. Unterwegs machten wir noch einen kurzen Stopp am Straßenrand, da es dort so schön bunt blühte. Dort flog eine bunte, noch unbestimmte Bienenart in rasantem Tempo von einer Natternkopfblüte (Echium spec.) zur nächsten und frustrierte uns regelrecht - denn weder Nina noch mir gelang ein scharfes Foto dieses hübschen Insekts.

Staumauer Barrage Sidi SaadWir erreichten unser neues Ziel dann nach etwa zwanzig Minuten Fahrt. Wir parkten einige hundert Meter von der Staumauer entfernt am Fuße eines riesigen Deiches, den wir dann erklommen. Von dessen Krone aus war der extrem niedrige Wasserstand noch weitaus deutlicher zu erkennen. Video von dort: (1,15Min.: wmv (19,1MB) oder flv (4,7MB).

Um kurz nach vier traten wir dann die Rückfahrt über El Haouareb, Kairouan und M'Saken an. Dort erwartete uns wieder ein köstliches Essen.

   
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Stand: 26.12.16